Blick auf die Wiedereingliederungszone im Dorf La Fila/Icononzo

Besuch beim Friedensprojekt in Kolumbien

Jan Wenzel, von tierra unida, hat unser Friedensprojekt „Kinder des Friedens“ in Icononzo/Kolumbien besucht. Hier sein kurzer Bericht:

130 km südwestlich der kolumbianischen Hauptstadt Bogota, im Departement Tolima, liegt das Dorf La Fila. Auch wenn die Distanz dorthin kurz erscheint, ist der Weg besonders auf den letzten Kilometern beschwerlich. Er führt über schlecht ausgebaute Wege auf ca. 1.500m Höhe auf einen landschaftlich sehr schönen Bergkamm mit Blick auf ein langgestrecktes Tal.

In La Fila wurde 2016 nach dem Friedensschluss zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerilla FARC eine so genannte Wiedereingliederungszone eingerichtet. Häuser und Gemeinschaftsräume wurden gebaut, eine Schule für die Nachholung von Schulabschlüssen, eine Textil-, eine Landwirtschaftskooperative, eine kleine Bibliothek, ein kleiner Laden und ein „Restaurant“, d.h. eine öffentliche Küche, in der Leute von außerhalb essen können, wurden eingerichtet. Mehr als 100 Familien leben dort und mehr als 50 Kinder sind mittlerweile dort geboren worden, es sind die Kinder des Friedens. Die Gründung einer Familie mussten viele Guerilleros und Guerilleras während der Bürgerkriegszeit zurückstellen. Nachdem der sich das Ende der kriegerischen Auseinandersetzung abzeichnete, konnte dieser Wunsch endlich seinen Weg nehmen.

Bereits seit den Friedensverhandlungen besteht Kontakt zwischen dem Potsdamer Lateinamerika-Arbeitskreis tierra unida e.V. und leitenden Personen in der Wiedereingliederungszone. Gemeinsam wurde geplant, dass der Potsdamer Verein die Bemühungen zur Einrichtung eines Kindergartens unterstützt. Ein passendes Gebäude ist bereits errichtet, nun fehlt noch ein kindgerechter Fußboden im Gebäude und Teile der Einrichtung. Ende Mai konnte Jan Wenzel von tierra unida sich ein Bild von der Lage vor Ort machen. Bei einem Besuch in La Fila traf er mit Valentina Beltran zusammen, die vor Ort die Aktivitäten im Bildungs- und Ausbildungsbereich koordiniert. „Vom Staat erhalten wir keine Mittel für den Kindergarten. Sie kommen mit dem Jugendamt zur Abnahme und Genehmigung der Einrichtung, bezahlen müssen wir sie aber selber“, berichtet sie. Und dabei drängt es, den Kindergarten zu eröffnen. „Die Frauen, die in der Textilkooperative in La Fila arbeiten, brauchen die Betreuungszeit für ihre Kinder“. Die Menschen in dem kleinen Ort müssen oft lange auf staatliche Unterstützung warten. Zwar sind bereits viele Gebäude errichtet, es fehlt jedoch häufig an einfachen Dingen. Während des Besuchs war die Wasserversorgung seit drei Tagen ausgefallen, weil eine Pumpe kaputt gegangen war, die Wasser aus einem nahegelegenen Flüsschen in große Tanks pumpen sollte. Auch die Lehrer*innen der Schule in der die ehemaligen Kämpfer*innen ihre Schulabschlüsse nachholen, werden nicht etwa vom kolumbianischen Staat bezahlt, sondern mit Geldern aus Norwegen. Die Vereinten Nationen haben im nächstgrößeren Ort eine Beobachtermission eingerichtet. Mittel für die Finanzierung von Projekten haben sie aber keine, „darum sind die Finanzen, die von internationalen Partnern, wie von tierra unida kommen so wichtig“, auch wenn es für deutsche Verhältnisse kleine Summen sind. 1.500 € hat der Verein in den letzten Monaten gesammelt. Daran haben sich Einzelspender*innen aber auch der Eine Welt Laden Solidario aus Babelsberg beteiligt. Auch über einen Spendenmarathon ist Geld zusammen gekommen. Damit kann nun die Inneneinrichtung der Kita unterstützt werden. Gerätschaften für die Küche, Spielgeräte und insbesondere Kinderbetten fehlen noch, damit die kleinen Kinder ihren Mittagschlaf halten können. Valentina Beltran ist zuversichtlich, dass sie in den nächsten Tagen die Abnahme durch das Jugendamt erhalten. Zwei ausgebildete Erzieher*innen aus einem Nachbardorf werden in der neuen Kindereinrichtung tätig werden. Unterstützt werden sie von jungen Müttern, die dadurch auch fort- und ausgebildet werden sollen. In La Fila und in Potsdam wird nun erwartet, dass bald die Eröffnung gefeiert werden kann.

Der Lateinamerika-Arbeitskreis tierra unida sammelt weiterhin Spenden für Projekte in La Fila in Kolumbien.

Lateinamerika Arbeitskreis tierra unida Potsdam e.V.

Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam

IBAN: DE47 1605 0000 3502 2356 34

BIC: WELADED1PMB

Blick auf die Wiedereingliederungszone im Dorf La Fila/Icononzo
Blick auf die Wiedereingliederungszone im Dorf La Fila/Icononzo

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Der Kindergarten
Der Kindergarten im Vordergrund

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