Alle Beiträge von Christian

Der Frieden im ländlichen Gebiet

Wir, als „tierra unida“, wollen auf eine kolumbianische Webseite aufmerksam machen, in der – leider nur auf Spanisch – über die Umsetzung des Friedensabkommens und den Wiedereingliederungsprozess der FARC in Kolumbien informiert wird. Diese Webseite ist eine Partnerschaft von dem aus der Tageszeitung El Espectador entstandenen Portal Colombia2020, aber auch Instituten oder der Friedrich-Ebert-Stiftung. Sie heißt „La paz en el terreno“, was man mit „Der Frieden im ländlichen Gebiet“ übersetzen könnte.

Zu erfahren sind zum Beispiel die Geschichten von 100 sozialen kolumbianischen Anführern, die seit dem Abschluss des Friedensabkommens zwischen Regierung und der FARC ermordet wurden. Auch über die aktuelle Situation zur Umsetzung des Friedensabkommens gibt es Analysen und Berichte. So zum Beispiel die Zustände und Infrastruktur in den Wiedereingliederungszonen der ehemaligen Kämpferinnen und Kämpfer der FARC.

So gibt es eine Evaluation der Anzahl der Bewohnerinnen und Bewohner in den jeweiligen Zonen, da es aufgrund der Schwierigkeiten in der Umsetzung seitens der Regierung, dem Fehlen von notwendigen sozialen Dienstleistungen und Infrastruktur oder geringer Sicherheit teilweise zu einem Aderlass kam und ehemalige Kämpferinnen und Kämpfer ihr Glück bei Familien oder auf eigene Faust in den Städten suchten.

Zur Wiedereingliederungszone in La Fila/ Icononzo gibt es recht positive Verlaufszahlen. Die Bevölkerung der Zone Antonio Nariño, wo wir als „tierra unida“ unser Friedensprojekt mit dem Kindergarten haben, sank zwischen Februar 2017 (320), August 2017 (306) Oktober 2017 (270) und März 2018 um 10%, stabilisierte sich aber mit nun 290 (März 2018) ehemaligen Kämpferinnen und Kämpfern. Die Zahl der Kinder verdreifachte sich fast im selben Zeitraum von anfangs 11 im Februar 2017 zu nun 32 im Frühjahr 2018.

Zum Aufbau und zu den Konstruktionen in der Zone gibt es die Auskunft, dass die Gemeinschaftsräume zu 90 Prozent und die Schlafhäuser, also die kleinen Wohnungen der Bewohnerinne und Bewohner, zu 75 Prozent fertiggestellt worden sind. Es gibt keine asphaltierten Straßen, aber zum Beispiel Elektrizität, Internet und Wasser. Dazu hat Jan Wenzel, unser tierra-Mitglied, ja auch etwas in seinem Besuchsbericht geschrieben.

Zur Webseite: http://www.lapazenelterreno.com/

Information auf der Webseite (Adultos=Erwachsene, Menores=Minderjährige)
Information auf der Webseite (Adultos=Erwachsene, Menores=Minderjährige)

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Besuch beim Friedensprojekt in Kolumbien

Jan Wenzel, von tierra unida, hat unser Friedensprojekt „Kinder des Friedens“ in Icononzo/Kolumbien besucht. Hier sein kurzer Bericht:

130 km südwestlich der kolumbianischen Hauptstadt Bogota, im Departement Tolima, liegt das Dorf La Fila. Auch wenn die Distanz dorthin kurz erscheint, ist der Weg besonders auf den letzten Kilometern beschwerlich. Er führt über schlecht ausgebaute Wege auf ca. 1.500m Höhe auf einen landschaftlich sehr schönen Bergkamm mit Blick auf ein langgestrecktes Tal.

In La Fila wurde 2016 nach dem Friedensschluss zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerilla FARC eine so genannte Wiedereingliederungszone eingerichtet. Häuser und Gemeinschaftsräume wurden gebaut, eine Schule für die Nachholung von Schulabschlüssen, eine Textil-, eine Landwirtschaftskooperative, eine kleine Bibliothek, ein kleiner Laden und ein „Restaurant“, d.h. eine öffentliche Küche, in der Leute von außerhalb essen können, wurden eingerichtet. Mehr als 100 Familien leben dort und mehr als 50 Kinder sind mittlerweile dort geboren worden, es sind die Kinder des Friedens. Die Gründung einer Familie mussten viele Guerilleros und Guerilleras während der Bürgerkriegszeit zurückstellen. Nachdem der sich das Ende der kriegerischen Auseinandersetzung abzeichnete, konnte dieser Wunsch endlich seinen Weg nehmen.

Bereits seit den Friedensverhandlungen besteht Kontakt zwischen dem Potsdamer Lateinamerika-Arbeitskreis tierra unida e.V. und leitenden Personen in der Wiedereingliederungszone. Gemeinsam wurde geplant, dass der Potsdamer Verein die Bemühungen zur Einrichtung eines Kindergartens unterstützt. Ein passendes Gebäude ist bereits errichtet, nun fehlt noch ein kindgerechter Fußboden im Gebäude und Teile der Einrichtung. Ende Mai konnte Jan Wenzel von tierra unida sich ein Bild von der Lage vor Ort machen. Bei einem Besuch in La Fila traf er mit Valentina Beltran zusammen, die vor Ort die Aktivitäten im Bildungs- und Ausbildungsbereich koordiniert. „Vom Staat erhalten wir keine Mittel für den Kindergarten. Sie kommen mit dem Jugendamt zur Abnahme und Genehmigung der Einrichtung, bezahlen müssen wir sie aber selber“, berichtet sie. Und dabei drängt es, den Kindergarten zu eröffnen. „Die Frauen, die in der Textilkooperative in La Fila arbeiten, brauchen die Betreuungszeit für ihre Kinder“. Die Menschen in dem kleinen Ort müssen oft lange auf staatliche Unterstützung warten. Zwar sind bereits viele Gebäude errichtet, es fehlt jedoch häufig an einfachen Dingen. Während des Besuchs war die Wasserversorgung seit drei Tagen ausgefallen, weil eine Pumpe kaputt gegangen war, die Wasser aus einem nahegelegenen Flüsschen in große Tanks pumpen sollte. Auch die Lehrer*innen der Schule in der die ehemaligen Kämpfer*innen ihre Schulabschlüsse nachholen, werden nicht etwa vom kolumbianischen Staat bezahlt, sondern mit Geldern aus Norwegen. Die Vereinten Nationen haben im nächstgrößeren Ort eine Beobachtermission eingerichtet. Mittel für die Finanzierung von Projekten haben sie aber keine, „darum sind die Finanzen, die von internationalen Partnern, wie von tierra unida kommen so wichtig“, auch wenn es für deutsche Verhältnisse kleine Summen sind. 1.500 € hat der Verein in den letzten Monaten gesammelt. Daran haben sich Einzelspender*innen aber auch der Eine Welt Laden Solidario aus Babelsberg beteiligt. Auch über einen Spendenmarathon ist Geld zusammen gekommen. Damit kann nun die Inneneinrichtung der Kita unterstützt werden. Gerätschaften für die Küche, Spielgeräte und insbesondere Kinderbetten fehlen noch, damit die kleinen Kinder ihren Mittagschlaf halten können. Valentina Beltran ist zuversichtlich, dass sie in den nächsten Tagen die Abnahme durch das Jugendamt erhalten. Zwei ausgebildete Erzieher*innen aus einem Nachbardorf werden in der neuen Kindereinrichtung tätig werden. Unterstützt werden sie von jungen Müttern, die dadurch auch fort- und ausgebildet werden sollen. In La Fila und in Potsdam wird nun erwartet, dass bald die Eröffnung gefeiert werden kann.

Der Lateinamerika-Arbeitskreis tierra unida sammelt weiterhin Spenden für Projekte in La Fila in Kolumbien.

Lateinamerika Arbeitskreis tierra unida Potsdam e.V.

Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam

IBAN: DE47 1605 0000 3502 2356 34

BIC: WELADED1PMB

Blick auf die Wiedereingliederungszone im Dorf La Fila/Icononzo
Blick auf die Wiedereingliederungszone im Dorf La Fila/Icononzo

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Der Kindergarten
Der Kindergarten im Vordergrund

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Gesundheitsprojekt in Ecuador – Halbjahresstand

Das Gesundheitsprojekt in Salitre/Ecuador läuft wie gewohnt weiter und unser Arzt Dr. Galo Alvear Vitery hat uns wie üblich seinen Halbjahresstand mitgeteilt. Dr. Galo ist an den verschiedenen Schulen der Region um die Kleinstadt Salitre herum unterwegs, um mit den Schülerinnen und Schülern Gesundheitsprävention durchzuführen und antiparasitäre Medikamente zu verabreichen. Auch andere medizinische Konsultationen kann er bei Bedarf anbieten.

Von Januar 2018 bis in den laufenden Monat Mai hinein, hat er nun neun Visitationen an verschiedenen Schulen abgeschlossen und dabei 2374 Schülerinnen und Schüler erreicht. Zwei Mal im Jahr bekommt Dr. Galo dabei eine finanzielle Unterstützung von „tierra unida“, damit er die Kosten für die Visitationen abdecken kann. Spenden für unser Gesundheitsprojekt sind selbstverständlich herzlich willkommen.

Liste von Dr. Galo über besuchte Schulen
Liste von Dr. Galo über besuchte Schulen

Pädagogische Arbeit in Icononzo geht voran

Valentina Beltrán, unsere Partnerin des Friedensprojektes und Mitglied der FARC, hat wieder mal ein paar Fotos aus der Wiedereingliederungszone der Gemeinde Icononzo veröffentlicht, wo wir als „tierra unida“ den Aufbau und die Ausstattung eines Kindergartens unterstützen.

In dem Dorf La Fila der Gemeinde Icononzo sollen im Kontext der Wiedereingliederung der ehemaligen Kämpferinnen und Kämpfer der FARC vor allem die Kinder als zukünftige Generation im Vordergrund stehen. Mit dem Friedensprozess und dem endgültigen Abkommen haben viele Kämpferinnen Kinder bekommen, die nun in einem adäquaten Umfeld groß werden sollen. Dies wollen wir unter anderen Organisationen mit unserem Friedensprojekt fördern.

Informationen zum Friedensprojekt finden sie hier Kinder des Friedens

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Veranstaltung zu Brasilien

Der Lateinamerika-Arbeitskreis „tierra unida“ führte eine Veranstaltung zur aktuellen politischen Situation in Brasilien durch. Vor 20 interessierten Personen referierte Mario Schenk, selbst bei „tierra unida“, zu den neuesten justiziellen Entwicklungen gegen Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und seiner Arbeiterpartei (PT), zur Polarisierung der Gesellschaft im Fall „Lula“, aber auch über die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen im Oktober, in der Lula da Silva derzeit die Umfragen weit anführt. Mario Schenk lebte viele Jahre in Brasilien und forscht derzeit zu Landkonflikten in Brasilien am Lateinamerika-Institut der FU Berlin.

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„tierra unida“ läuft für den Frieden

Unser sportliches tierra unida-Mitglied Jan Wenzel ist am Sonntag in Leipzig bei einem Marathon mitgelaufen und hat daraus einen Spendenlauf initiiert. Für jeden angefangenen Kilometer wollte Jan 10 Euro für das Friedensprojekt in Kolumbien akquirieren. Ursprünglich wollte Jan in Barcelona mit seinem Freund Pablo Vasquez aus Guatemala laufen, doch den Lauf-Termin musste er wegen eines grippalen Infektes auf das vergangene Wochenende nach Leipzig verlegen.

Bei hochsommerlichen Temperaturen erreichte Jan eine starke Leistung von 4 Stunden und 16 Minuten für die 42,195 Kilometer. Auch Spenden konnte er für unser soziales Projekt gewinnen. Hierzu sagte er: „In den Nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen formuliert das Ziel 4 den Anspruch auf „inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung“. Dieses Projekt leistet einen ganz kleinen Beitrag indem es Grundlagen für die Arbeit mit Kindern möglich macht, damit diese eine neue und friedliche Zukunft in Kolumbien gestalten können.“

Zur Spendenaktion von Jan

Herzlichen Glückwunsch!

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Fotos aus Icononzo

Valentina, unsere Ansprechpartnerin für unser Friedensprojekt in Icononzo in Kolumbien, hat uns wieder einmal Fotos aus der Wiedereingliederungszone gesendet, wo wir den Aufbau und die Ausstattung eines Kindergartens unterstützen. Dort sollen die Kinder der ehemaligen Kämpferinnen und Kämpfer der FARC die Möglichkeit bekommen, in einem würdevollen und friedlichen Umfeld aufzuwachsen. Wir als „tierra unida“ sammeln weiterhin Spenden für dieses Friedensprojekt.

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Valentina (rechts)
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Kindergeburtstag in Icononzo

Veranstaltung „Kolumbien, Koka und Konflikte“

Im Rahmen des „Chill Out-Tresen“ wird Christian Raschke, Mitglied bei tierra unida e.V., aus seinen Arbeitserfahrungen der Friedens- und Konfliktarbeit in Kolumbien berichten. Die Veranstaltung mit dem Titel „Kolumbien, Koka und Konflikte“ findet am Mittwoch, den 18.04., um 19 Uhr im Spartacus Potsdam statt. Der Tresen des Chill Out e.V. findet ab sofort alle 2 Monate statt und im Kontext der Themen Rausch und Realitäten stehen.

chill out

Solidaritätskampagne für entführte Journalisten

Die Welt ist klein, so auch in diesem Fall.

Die Tochter von unserem tierra unida-Mitglied Dr. Galo Alvear Vitery aus Ecuador, der dort in Salitre mit unserer Unterstützung seit vielen Jahren ein Gesundheitsprojekt durchführt, ist mit den drei Personen befreundet, die im Norden Ecuadors an der Grenze zu Kolumbien entführt worden sind.

Der Kreis schließt sich, weil sich die entführten Journalisten bzw. Begleiter in den Händen von Dissidenten der ehemaligen FARC befinden, die sich dem Friedensprozess in Kolumbien entfernt haben. Wir als tierra unida haben in Kolumbien ein Friedensprojekt im Rahmen des Friedensprozesses mit ehemaligen Kämpfern und Kämpferinnen der FARC.

Die drei entführten Personen sind Javier Ortega (Journalist), Paúl Rivas (Fotograph) und Efraín Segarra (Fahrer). Sie alle wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer abtrünnigen Gruppe der ehemaligen FARC entführt, als sie eine Reportage zur politischen und sozialen Situation im Grenzgebiet zwischen Ecuador und Kolumbien machen wollten. Dort gibt es seit einigen Monaten eine gewaltvolle Zuspitzung und Kämpfe mit Sicherheitskräften um Territorien und Drogenhandel. Hierbei geht es auch um die Nichterfüllung des Friedensabkommens der kolumbianischen Regierung und daraus resultierenden mangelnden Perspektiven, weshalb sich einige Personen kriminellen Strukturen anschließen.

Da kritische und investigative journalistische Arbeit in vielen Teilen der Welt immer schwieriger durchzuführen ist, und weil wir als tierra unida aus oben genannten Umständen in beiden Ländern mit sozialen Projekten verbunden sind, unterstützen wir die weltweite Solidaritätskampagne „Nos faltan tres“ (Uns fehlen drei). Wir hoffen auf ihre baldige Freilassung und fordern weltweit eine Wertschätzung für journalistische Arbeit und damit verbundene Sicherheitsgarantien.

Nos faltan tres!

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Veranstaltung: Ein politischer Blick auf Brasilien

„Tierra unida“ organisiert eine Veranstaltung:

Das Land Brasilien taucht aktuell in den Medien wieder als ein Krisen geschütteltes Land auf. Im Oktober dieses Jahres finden die Präsidentschaftswahlen statt und das Land befindet sich in einem heißen Wahlkampf. Seit Februar dieses Jahres regiert per Dekret das Militär in großen Teilen von Rio de Janeiro und deren populärste Kritikerin, die sozialistische Politikerin und Menschenrechtsaktivistin Marielle Franco, wird Mitte März von para-polizeilichen Milizen ermordet – ein Zeichen sowohl gegen das Establishment, als auch gegen eine Linke abseits vom Parteienspektrum. Die einst große linke Arbeiterpartei und Teile der sozialen Bewegungen erleben Schmähungen.

Wohin treibt dieses große Land? Was wurde und wird aus der Linken in Brasilien?

Der Referent Mario Schenk entwirft einen Überblick über die aktuell angespannte Situation in Brasilien, die durch eine nie dagewesene Polarisierung der Gesellschaft und soziale und politische Rückschritte geprägt ist. Und Schenk wagt einen Ausblick auf die Präsidentschaftswahl 2018, bei der ein Rechtsaußen-Kandidat aussichtsreiche Chancen hat, der die Todesstrafe für minderjährige Straftäter fordert oder das Eingreifen des Militärs in die Politik gutheißt. Während dem früheren, heiß geliebten Präsident und Kandidat der linken Arbeiterpartei PT, Lula da Silva, 12 Jahre Gefängnis drohen.

Referent: Mario Schenk promoviert im Rahmen der Forschungsgruppe GLOCON an der Freien Universität Berlin zu globalen Transformationen und Landkonflikten in Brasilien.

Datum: Donnerstag, 26.04.2018, um 19 Uhr

Ort: Buchladen Sputnik, Charlottenstr. 28, 14467 Potsdam

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