Archiv der Kategorie: Allgemein

O movimento Bolsonário – Brasiliens neue Rechte

Wir weisen schon einmal auf eine Veranstaltung am 31. Mai 2019 im freiLand Potsdam hin. Dort wird Mario Schenk, Mitglied von tierra unida, über die neue Rechte in Brasilien referieren. Die Veranstaltung findet in gemeinsamer Kooperation von Capoeira Gerais Potsdam und tierra unida statt. Mario Schenk ist ein ausgezeichneter Kenner Brasiliens, der schon des Öfteren Veranstaltungen zur politischen Situation in Brasilien durchgeführt hat.

capoeira

Spendenkampagne für linke Gegenkultur in Kolumbien

Wir, als Lateinamerika-Arbeitskreis „tierra unida“ aus Potsdam, unterstützen bei der Geldsammlung (Crowdfunding-Projekt) für eine Vortragsreise von Personen aus dem linksalternativen Spektrum Kolumbiens, die von einer befreundeten Person aus Berlin organisiert wird. Das Geld soll dazu dienen, um zwei oder drei Protagonist*innen und Freunde, unter anderem von RASH Bogotá, nach Deutschland einzuladen, damit wir hier mehrere Vorträge im Land veranstalten können. In den Vorträgen geht es um die aktuelle politische und soziale Situation, vor allem um die real existierende Gefahr für alternative und linke Politik durch Bedrohungen und Morde sowie um die Schwierigkeiten in der Umsetzung des Friedensabkommens mit der FARC-EP seitens der Regierung. Da wir als „tierra unida“ in Kolumbien tätig sind und wir Veranstaltungen mitorganisieren werden, unterstützen wir den Aufruf und hoffen auf rege Beteiligung.

 

Link und Aufruf auf betterplace

Die politische Situation in Kolumbien bleibt angespannt. Knapp 3 Jahre nachdem die linke Guerilla FARC-EP einen Friedensvertrag mit der kolumbianischen Regierung unterzeichnet und ihre Waffen abgegeben hat, droht der Friedensprozess zu scheitern. Der ultrarechte kolumbianische Präsident Iván Duque, Ziehsohn des mit dem rechtsradikalen Paramilitarismus verbundenen Ex-Präsidenten Alvaro Uribe Vélez, hebelt schrittweise sämtliche Vereinbarungen der Friedensverträge von Havanna aus. Der friedlichen Neukultivierung von Kokaplantagen weicht die Rückkehr zu kriegerischer und Bauernfeinlicher Politik, soziale AktivistInnen werden landesweit weiterhin ermordet, darunter zahlreiche Mitglieder der inzwischen legalen Linkspartei FARC, die Kooperation mit der NATO wurde ausgebaut und der Wehretat erhöht. Nun soll, wenn es nach Duque und Uribe geht, auch die Sondergesetzgebung JEP zur Verurteilung von Menschenrechtsverbrechen während des bewaffneten Konflikts fallen. Ex-Präsident Uribe erklärte kürzlich: „Wenn Autorität, gefasst und stark, ein Massaker bedeutet, dann weil auf der anderen Seite mehr Gewalt und Terror, als Protest herrscht“und legitimierte damit vergangene, wie kommende Massaker an linken AktivistInnen. In dieser bedrohlichen Atmosphäre linke Politik zu machen bleibt also ein gefährliches Unterfangen – auch nach dem Friedensschluss mit der größten Guerilla des Landes. Die AktivistInnen von RASH Bogotá, einer linken Kulturgruppe, in der linke Punks, Skinheads, Rockabillys, Hardcore-Kids und HipHop-KünstlerInnen, FeministInnen uvm. organisiert sind, machen seit Jahrzehnten linke Kultur- und Bildungsarbeit. Darunter fallen die Organisation von Veranstaltungen, wie Festivals, Bildungsveranstaltungen, Konzerte oder auch das Betreiben von sozialen Zentren und Räumen. Darüber hinaus ist die Gruppe in feministischen Kämpfen und auch in der lokalen Fußballszene organisiert.

Die Minga in Kolumbien – vom indigenen zum sozialen Widerstand

Das Wort „Minga“ kennen mittlerweile alle in Kolumbien, nachdem die Proteste sich im ganzen Land ausbreiten. Es ist ein indigenes Synonym für „Gemeindearbeit“, aber auch für „Protest für das Gemeinwohl“. Seit mehreren Wochen, seit dem 10. März, halten nun Indigene, aber auch immer mehr bäuerliche und soziale Bewegungen mehrere große Transportrouten im kolumbianischen Land besetzt. Es fing alles an der berühmten Panamericana an und von dort breitete sich der soziale Protest auf andere Provinzen und Straßenverbindungen im Land aus.

Die Proteste der aktuellen Minga zur Verteidigung von Leben, Territorium, Demokratie, Gerechtigkeit und Frieden im Südwesten Kolumbiens begann in den Provinzen Cauca, Valle del Cauca und Nariño, in jenen Provinzen, die besonders stark vom Konflikt betroffen waren und es auch immer noch sind. Gesteuert wurden die Proteste der verschiedenen indigenen Gruppen vom Indigenen Regionalrat des Cauca, CRIC. Ziel sind Straßenblockaden, Demonstrationen und andere politische Aktionen, die alle gewaltfrei verlaufen sollen.

Die Protestierenden fordern die Erfüllung von unerfüllten Vereinbarungen zwischen der indigenen Bewegung und der kolumbianischen Regierung. Vor allem geht es um die Sicherheit, aber auch um die eigenen bürgerlichen, politischen, kulturellen, wirtschaftlichen, kollektiven und ökologischen Rechte. Sie verweisen auch auf das Friedensabkommen mit der FARC, dass auch die Territorien der Indigenen im Mittelpunkt hat und die speziell gefördert werden sollen. Die Regierung unter Duque verneint dies und sagt, dass die Vorgängerregierungen dafür verantwortlich sind. Bisher will er sich nicht mit den Demonstrierenden an einen Verhandlungstisch setzen.

Stattdessen reagiert die Regierung mit Gewalt auf die immer größer werdenden Proteste und setzt unter anderem die mobile Aufstandsbekämpfungseinheit (ESMAD) ein, um die Blockaden aufzulösen. Auch Militär ist stark in den Regionen präsent. Es gibt eine zunehmende Militarisierung, Verletzte und Verhaftungen. Dabei sind die Proteste legitim, denn der Staat hält seine Verpflichtungen nicht ein und erhöht sich die Zahl der systematischen Morde an der indigenen Bewegung. Auch internationale Organisationen sprechen von einer humanitären Krise.

Solidarisieren wir uns also mit der Minga zur Verteidigung von Leben, Territorium, Demokratie, Gerechtigkeit und Frieden, so wie es derzeit viele kolumbianische und internationale Bewegungen tun.

minga

Themenabend Brasilien im Projekthaus Babelsberg

Das Inwole und Projekthaus Babelsberg veranstalten am 11.04. einen Themenabend zu Brasilien, an dem unser „Tierra Unida“-Mitglied Mario Schenk referieren wird. Thematisch geht es vor allem um einen Rückblick der ersten Amtstage des rechten Präsidenten Jair Bolsonaro, seinen Wahlkampf aber auch den Aufschwung der rechten Bewegung allgemein in Brasilien sowie um Folgen und Prognosen. Zu dem Vortrag gibt es weiterhin Infostände und auch einen Imbiss. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

brasilien

#FridaysForFuture: (Schul-)Streik fürs Klima

Weltweit streiken Schüler*innen für das Klima und Umweltschutz. Inspiriert werden sie von der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg. Zum 15. März wird die bisher größte Aktion geplant im Rahmen des Klimastreiks geplant und auch wir als „tierra unida“ solidarisieren uns mit den Organisator*innen und Teilnehmenden.

Das Klima, oder besser gesagt die besorgniserregende Klimaveränderung, ist das Produkt eines rücksichtslosen konsum- und gewinnorientierten Verhaltens der verschiedenen Länder – vor allem in der nördlichen Hemisphäre, denen wirtschaftliche Interessen wichtiger sind, als Umweltschutz und globale Verantwortung. Die Leidtragenden leben vor allem in der südlichen Hemisphäre und sie sind unter anderem extremen Wetterbedingungen, Klimaveränderungen, einhergehenden veränderten Lebensbedingungen, Naturkatastrophen, Kriege um natürliche Ressourcen sowie Hunger und Armut ausgesetzt.

An Freitag, den 15. März, werden in über 40 Ländern auf allen Kontinenten Menschen auf die Straße gehen und sagen: Bis hierhin und nicht weiter! Auch in Potsdam wird zu einer großen Kundgebung zur Mittagszeit aufgerufen. Gemeinsam wird von den Regierungen der Länder und der internationalen Staatengemeinschaft gefordert, dass unser aller Zukunft nicht weiter kurzfristigen Interessen geopfert wird.

fff

Erfolgreiche Veranstaltung zu Migration durch Mexiko

Über 30 Personen kamen zum Vortrag von Marc Guckelsberger zu Migration in Mexiko, der vom Lateinamerika-Arbeitskreis tierra unida e.V. und von Potsdam-Konvoi organisiert wurde und im Buchladen Sputnik stattfand. In seinem Vortrag zeichnete Marc einen Überblick über die Fluchtgründe von Menschen aus Zentralamerika, ihre Route durch Mexiko mit dem Ziel der USA. Bei dieser Route haben alle Flüchtenden mit einer Vielzahl von Gefahren zurechnen, die besonders mit der organisierten Kriminalität und Überfällen, Gewalt, Erpressungen und Entführungen zu tun haben. Da Marc in einer Herberge für flüchtende Menschen gearbeitet hat, konnte er gut auf ihre Schicksale, aber auch auf die ihnen zukommende Solidarität eingehen.

Die FARC mit eigenem Bier

Mit Überraschung sahen wir unsere ehemalige Projektpartnerin des kolumbianischen Friedensprojektes, Valentina Beltrán, auf einer Grafik in einem Online-Artikel neben Bierflaschen. Doch dann löste sich schnell auf, dass sie in Icononzo die Produktion von Bier der ehemaligen FARC-Kämpferinnen und -Kämpfern mitverwaltet.

So wird in der dortigen Wiedereingliederungszone, wo wir den Aufbau eines Kindergartens unterstützt haben, nun auch das Bier „La Roja“ („Das Rote“) produziert und welches bis nach Bogotá kommerzialisiert wird. An diesem ökonomischen Projekt sind 30 Personen beteiligt.

Verantwortlich für die Idee und das Produzieren ist ein irischer Englischlehrer einer Universität aus Bogotá, der in der Wiedereingliederungszone von Icononzo freiwillig helfen wollte. Valentina Beltrán, ehemalige Kämpferin der Guerilla, erwähnt, dass „die Frauen, die an diesem Projekt teilnehmen, eine große Chance in ihm sehen, dass wir drei Tage in der Woche arbeiten und andere Aufgaben erledigen können, die ebenfalls wichtig sind.“

Für uns ist es schön zu lesen, dass die sozio-ökonomischen Projekte zur Wiedereingliederung der Kämpferinnen und Kämpfer der FARC voran gehen und auch solche ausgefallenen Ideen wie das Produzieren von Bier mit dabei sind. Da freuen wir uns natürlich umso mehr auf den nächsten Besuch. Prost!

Artikel der Online-Zeitung

 

Solidarität mit der Seenotrettung

Seit August 2017 ist das Such- und Rettungsschiff IUVENTA in Sizilien beschlagnahmt worden. Die Besatzung der IUVENTA rettete über 14.000 Menschen im Mittelmeer, die in Not geraten sind. Seit dem Sommer 2018 wird gegen die Crew, darunter auch Personen aus Potsdam, wegen der Unterstützung der illegalen Einwanderung ermittelt. Es drohen Gefängnisstrafen bis zu 20 Jahren und ein hoher finanzieller Aufwand.

Die IUVENTA-Crew und Unterstützer*innen haben im Zuge dieser Kriminalisierungskampagne eine Solidaritätskampagne gestartet. Es soll viele Informations- und Soli-Veranstaltungen geben. Die nächste findet zum Beispiel hier in Potsdam, am 12.01., in der La Datscha statt. Wir solidarisieren uns mit dem Kampf gegen das Sterben an den Grenzen Europas und die Kriminalisierung der Solidarität mit Migrant*innen. Das Menschenrecht ist ein universelles Recht!

Webseite der Soli-Kampagne

25. Jahrestag des Aufstandes der Würde

Am 1. Januar 1994 überraschte die Zapatistische Armee zur nationalen Befreiung (EZLN) Mexiko und die Welt. Unter dem Motto „Ya basta!“ („Es reicht!“) erklärte sie der Regierung, der Armut, der Ausbeutung und dem Rassismus den Krieg. Dies passierte zu einem Zeitpunkt, als die mexikanischen Eliten den Eintritt Mexikos in das neoliberale Freihandelsabkommen „NAFTA“ feierten.

Die EZLN als basisdemokratische Organisation „von unten“ rüttelte die Linke und die internationale Solidarität kurz nach dem Zusammenbruch des realexistierenden Sozialismus auf und zeigte, dass es auch noch linke Utopien und Wirklichkeiten gibt.

Bis heute verfasst diese basisdemokratische indigene Bewegung ihre Erklärungen und Schriften in poetischer Sprache, so dass sie sowohl von gebildeten, als auch von einfachen Menschen verstanden werden. Mit ihrem „anderen“ Auftreten und Forderungen wie „Alles für Alle!“ oder „Eine Welt, in der viele Welten Platz haben!“, die jenseits von Selektierungen und politischer Dogmatik liegen, verschaffte sich die EZLN eine globale Welle der Sympathie.

Doch auch weiterhin erleben die indigenen Gemeinden in Chiapas, dem Ursprungsterritorium der Maya-Gemeinden, einen „Krieg niedriger Intensität“ mit enormer Militärpräsenz, paramilitärischem Terror, Korruption und Desinformationskampagnen. Dass weiterhin Zehntausende in sogenannten autonomen Gebieten leben, ist ihr Erfolg, der aber täglich erkämpft werden muss.

Wir wünschen alles Gute und weiterhin viel Kraft!