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Die FARC mit eigenem Bier

Mit Überraschung sahen wir unsere ehemalige Projektpartnerin des kolumbianischen Friedensprojektes, Valentina Beltrán, auf einer Grafik in einem Online-Artikel neben Bierflaschen. Doch dann löste sich schnell auf, dass sie in Icononzo die Produktion von Bier der ehemaligen FARC-Kämpferinnen und -Kämpfern mitverwaltet.

So wird in der dortigen Wiedereingliederungszone, wo wir den Aufbau eines Kindergartens unterstützt haben, nun auch das Bier „La Roja“ („Das Rote“) produziert und welches bis nach Bogotá kommerzialisiert wird. An diesem ökonomischen Projekt sind 30 Personen beteiligt.

Verantwortlich für die Idee und das Produzieren ist ein irischer Englischlehrer einer Universität aus Bogotá, der in der Wiedereingliederungszone von Icononzo freiwillig helfen wollte. Valentina Beltrán, ehemalige Kämpferin der Guerilla, erwähnt, dass „die Frauen, die an diesem Projekt teilnehmen, eine große Chance in ihm sehen, dass wir drei Tage in der Woche arbeiten und andere Aufgaben erledigen können, die ebenfalls wichtig sind.“

Für uns ist es schön zu lesen, dass die sozio-ökonomischen Projekte zur Wiedereingliederung der Kämpferinnen und Kämpfer der FARC voran gehen und auch solche ausgefallenen Ideen wie das Produzieren von Bier mit dabei sind. Da freuen wir uns natürlich umso mehr auf den nächsten Besuch. Prost!

Artikel der Online-Zeitung

 

Solidarität mit der Seenotrettung

Seit August 2017 ist das Such- und Rettungsschiff IUVENTA in Sizilien beschlagnahmt worden. Die Besatzung der IUVENTA rettete über 14.000 Menschen im Mittelmeer, die in Not geraten sind. Seit dem Sommer 2018 wird gegen die Crew, darunter auch Personen aus Potsdam, wegen der Unterstützung der illegalen Einwanderung ermittelt. Es drohen Gefängnisstrafen bis zu 20 Jahren und ein hoher finanzieller Aufwand.

Die IUVENTA-Crew und Unterstützer*innen haben im Zuge dieser Kriminalisierungskampagne eine Solidaritätskampagne gestartet. Es soll viele Informations- und Soli-Veranstaltungen geben. Die nächste findet zum Beispiel hier in Potsdam, am 12.01., in der La Datscha statt. Wir solidarisieren uns mit dem Kampf gegen das Sterben an den Grenzen Europas und die Kriminalisierung der Solidarität mit Migrant*innen. Das Menschenrecht ist ein universelles Recht!

Webseite der Soli-Kampagne

25. Jahrestag des Aufstandes der Würde

Am 1. Januar 1994 überraschte die Zapatistische Armee zur nationalen Befreiung (EZLN) Mexiko und die Welt. Unter dem Motto „Ya basta!“ („Es reicht!“) erklärte sie der Regierung, der Armut, der Ausbeutung und dem Rassismus den Krieg. Dies passierte zu einem Zeitpunkt, als die mexikanischen Eliten den Eintritt Mexikos in das neoliberale Freihandelsabkommen „NAFTA“ feierten.

Die EZLN als basisdemokratische Organisation „von unten“ rüttelte die Linke und die internationale Solidarität kurz nach dem Zusammenbruch des realexistierenden Sozialismus auf und zeigte, dass es auch noch linke Utopien und Wirklichkeiten gibt.

Bis heute verfasst diese basisdemokratische indigene Bewegung ihre Erklärungen und Schriften in poetischer Sprache, so dass sie sowohl von gebildeten, als auch von einfachen Menschen verstanden werden. Mit ihrem „anderen“ Auftreten und Forderungen wie „Alles für Alle!“ oder „Eine Welt, in der viele Welten Platz haben!“, die jenseits von Selektierungen und politischer Dogmatik liegen, verschaffte sich die EZLN eine globale Welle der Sympathie.

Doch auch weiterhin erleben die indigenen Gemeinden in Chiapas, dem Ursprungsterritorium der Maya-Gemeinden, einen „Krieg niedriger Intensität“ mit enormer Militärpräsenz, paramilitärischem Terror, Korruption und Desinformationskampagnen. Dass weiterhin Zehntausende in sogenannten autonomen Gebieten leben, ist ihr Erfolg, der aber täglich erkämpft werden muss.

Wir wünschen alles Gute und weiterhin viel Kraft!

„Migration durch Mexiko“ Wege – Gefahren – Solidarität

Der Lateinamerika-Arbeitkreis tierra unida Potsdam e.V. in Kooperation mit Potsdam-Konvoi lädt ein zur Veranstaltung mit dem Referenten Marc Guckelsberger :

„Migration durch Mexiko“ Wege – Gefahren – Solidarität

am 24.01.2019, 19.30 Uhr im Buchladen Sputnik in Potsdam.

Eine große Karawane aus Honduras hat im Herbst 2018 für weltweites Aufsehen gesorgt. Tausende Menschen schlossen sich zusammen um gemeinsam den Weg durch Guatemala und Mexiko zu bestreiten. In den deutschen Medien wurde gar von einem „Herbst der Migration“ Mexikos gesprochen, die Bilder erinnerten an Situationen auf der Balkanroute 2015.

In den USA und Mexiko nehmen die Asylanträge von Menschen aus Zentralamerika seit 2009 zu. Seit 2014 kommen mehr Migrant*innen aus Zentralamerika als aus Mexiko in den USA an.

Es hat sich eine der größten konstanten Migrationsbewegung gebildet, jedes Jahr versuchen hunderttausende Menschen aus Zentralamerika Mexiko zu durchqueren um in die USA ein zu reisen. Der Weg bis zur us-amerikanischen Grenze ist lang und von Menschenrechtsverletzungen geprägt, der internationalen Aufmerksamkeit bleibt er meist verborgen. In einem Vortrag mit Bildern und einer anschließenden Diskussion sollen die (gewaltsamen) Realitäten der Migrierenden und Fliehenden in Mexiko thematisiert werden.

Warum verlassen sie ihr Zuhause? Was für Wege und Gefahren nehmen diese Menschen auf sich? Wie sehen die Unterstützungs- und Solidaritätsstrukturen in Mexiko aus?

Der Referent Marc Guckelsberger beschäftigt sich seit 2016 mit der Thematik. Marc hat in Mexiko in einer Herberge für Migrant*innen und Geflüchtete gearbeitet und mehrere Jahre im Land gelebt.

Hinweis: Diese Veranstaltung thematisiert einen extrem gewaltsamen Kontext.

Der Eintritt ist frei.

Wir freuen uns auf euch!

 

Zum Internationalen Tag der Menschenrechte

Zum Internationalen Tag der Menschenrechte wollen wir dieses Zitat von Eleanor Roosevelt darlegen:

„Kurz gesagt, wo fangen die universellen Menschenrechte an? An kleinen Orten in der Nähe von Zuhause, an Orten, die so nah und so klein sind, dass sie auf keiner Karte erscheinen. (…) Wenn diese Rechte auch an diesen Orten nichts bedeuten, dann bedeuten sie an keiner anderen Stelle etwas. Ohne eine koordinierte Bürgeraktion, um sie in unserer Umgebung zu verteidigen, wird unser Wille, in der übrigen Welt Fortschritte zu machen, vergeblich sein.“

An diesem 10. Dezember, am Tag an dem die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte angenommen hat, erinnern wir an die Verteidigung der Gerechtigkeit, der Gleichheit und der Menschenwürde überall, besonders aber in der Familie, im sozialen Umfeld, in Initiativen und Gruppen, die sich für eine bessere Welt einsetzen. Wir als tierra unida wissen, dass wir hier ebenso kämpfen müssen, um die Welt gerechter zu gestalten.

Unsere Aufklärung und Bildung, zum Beispiel über Konsum und Fortschritt hier in Europa und den Zusammenhang zu Krieg, Folter und Armut in den südlichen Ländern, ist der erste und wichtigste Schritt, um nachhaltig das Thema Menschenrechte anzugehen. Jede und jeder kann also einen eigenen Beitrag dazu leisten, auch in kleinem Kreis, auch hier in Potsdam…

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Lesung zum Leben von Lutz Taufer

Eine interessante Veranstaltung gab es gestern, den 05.12., im Buchladen Sputnik, wo „tierra unida“ zusammen mit dem Buchladen eine Lesung zum Buch von Lutz Taufer „Über Grenzen – Von der RAF in die Favela“ durchführte. Dabei wurden kurze Sequenzen aus dem Leben von Lutz Taufer wie zum Beispiel die 68´er Bewegung, Sozialistisches Patientenkollektiv, RAF, Knastzeit und sein Leben in Freiheit in Brasilien vorgelesen oder von ihm selbst erörtert. In Brasilien arbeitete er ein Jahrzehnt für den Weltfriedensdienst in den Favelas von Rio de Janeiro.

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Mitgliederversammlung und Lesung

Der Vorstand von tierra unida e.V. lädt euch herzlich zur diesjährigen Mitgliederversammlung und anschließenden Veranstaltung ein:

Mitgliederversammlung tierra unida e.V.

am 05. Dezember 2018 um 18:30 Uhr

im Buchladen Sputnik (Charlottenstraße 28, 14467 Potsdam).

Neben der Vorstellung des Finanzberichts und des Jahresberichts sowie der Entlastung des Vorstandes möchten wir über unsere aktuellen Projekte in Kolumbien und Ecuador sowie neue Projektideen für das kommende Jahr 2019 besprechen.

 

Am Anschluss laden wir euch herzlich zum Vortrag von Lutz Taufer ein:

„Über Grenzen“ – Von der RAF in die Favela, eine Lesung mit dem Autor Lutz Taufer.

Ebenfalls am 05. Dezember im Anschluss um 19.30 Uhr in Kooperation mit dem Buchladen Sputnik. Der Eintritt zum Vortrag von Lutz ist frei.

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Rückblick: Veranstaltung zu Brasilien und Rechtsruck

Am 15.11.2018 veranstalteten „tierra unida“ und die Ortsgruppe des Netzwerkes Attac aus Potsdam einen Vortrag zur Brasilien nach der Machtergreifung durch den ultrarechten Politiker Jair Bolsonaro. Im vollbesetzten Raum des Madia in der Lindenstraße referierte Mario Schenk über den Rechtsruck in Brasilien. Hierbei erhielt das interessierte Publikum Einblick in die Hintergründe des Machtwechsels, die Ängste der Mittelschicht über ihren Stativerlust, die eine große Wählergemeinde Bolsonaros bildeten, die Unterstützung des neuen Präsidenten durch das Militär sowie groß angelegte Social-Media Kampagnen, die letztendlich für den Machtverlust der linksdemokratischen Parteien in Brasilien führten. Besonders beeindruckend war dabei die Tatsache, dass 90 % der Wähler Bolsonaros sich über Whatsapp informierten und diese Präsidentschaftswahl daher mit recht als erste „Whats-App“-Wahl bezeichnet werden kann, so Mario Schenk. Er ist langjähriges tierra unida-Mitglied und forscht derzeit zur Agrarreform in Brasilien.
Die nächste Veranstaltung von tierra unida findet am 05.12. im Buchladen Sputnik statt.
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Brasilien nach der Wahl – Kommen ultrarechte Hardliner an die Macht?

attac Potsdam und TIERRA UNIDA e.V. Lateinamerika-Arbeitskreis Potsdam laden ein:

Brasilien nach der Wahl. Kommen ultrarechte Hardliner an die Macht?

Vortrag und Diskussion mit Mario Schenk (FU Berlin)

am Donnerstag, dem 15. November 2018, 19 Uhr
im Madia, Lindenstraße 47 , Potsdam.

Die Stichwahl am 28. Oktober gewinnt der rechtsextreme Jair Bolsonaro deutlich. Dies sagen Umfragen von Mitte Oktober voraus. Ein massiver Rechtsruck hat das Land erfasst. Die Stimmung im Land ist geprägt von einer hohen Polarisierung und einer Rekordenthaltung bei der Wahl. Bolsonaro reitet auf einer Welle der Unzufriedenheit mit dem politischen System.
Die politische Rechte machte den Wahlkampf zu einem Kreuzzug gegen das sozialdemokratische Projekt der Arbeiter PT. Ihr linksgerichteter Kandidat Fernando Kandidat Haddad scheitert mit seinem Appell an die demokratischen Prinzipien und das Eintreten für sog. Minderheitenrechte wie die von Indigenen oder LGBTI-Personen. Stattdessen stoßen ihm vielerorts Hass und eine historisch hohe Ablehnung entgegen.
Mit dem Rechtsruck steht Brasilien in Lateinamerika nicht allein da. Die Epoche linksgerichteter Regierungen ist vorbei. Statt eines Sozialismus des 21. Jahrhunderts sind in Argentinien, Brasilien, Chile und Kolumbien erzkonservative und Markt radikale Hardliner an die Macht gekommen.
Referent Mario Schenk skizziert, wie es zu den Kräfteverschiebungen kam, die dazu führten, dass die Bevölkerung mehrheitlich einen Kandidaten wählt, der einen Polizeistaat nach Vorbild der Militärdiktatur (1964-1985) errichten will.
Ferner wird auf der Veranstaltung diskutiert, welche Voraussagen für eine ultra-neoliberale Regierungspolitik sich aus der bisherigen Politik und den Wahlversprechen Bolsonaros treffen lassen. Und wie reiht sich sein Erfolg in eine transamerikanische Entwicklung ein?

Der Referent Mario Schenk forscht an der Freien Universität Berlin zu Landkonflikten und der Rolle des Staates im Norden Brasiliens. Für das Nachrichtenportal amerika21.de schreibt er regelmäßig zu Brasilien, insbesondere zu Innenpolitik und Umweltthemen. Schenk hat mehrere Jahre in Lateinamerika gelebt.

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