Alle Beiträge von Christian

Juli im Zeichen der Gesundheitsprävention

Unser tierra unida-Mitglied und Arzt Dr. Galo Alvear Vitery aus Salitre in Ecuador hat den Juli für eine intensive Kampagne der Gesundheitsprävention an der Schule „Unidad Educativa Franciscano“ genutzt. Hierzu hat Galo auch ein kurzes Konzept geschrieben, welches hier zu finden ist. Anbei zeigen wir ein paar Einblicke in seine Arbeit an der Schule, die vorrangig aus Aufklärung über gesundheitliche Risiken, aber auch ärztliche Untersuchungen besteht.

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Betten und Wiegen für den Kindergarten

Mit den Spenden von „tierra unida“ wurden in dem Kindergarten der Wiedereingliederungszone der FARC in Zentralkolumbien nun Babybetten und Wiegen sowie Bettbezüge gekauft. Damit geht die Ausstattung des Kindergartens im Rahmen des Friedensprojektes gut voran. Valentina sendete uns die Fotos aus dem Kindergarten in La Fila, Icononzo, zu.

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Potsdamer Zeitung PNN berichtet über Tierra Unida

Die Potsdamer Zeitung PNN berichtet in einem ausführlichen Artikel über die Arbeit und Historie von „tierra unida“, sowie über die beiden Projekte in Ekuador und Kolumbien. Der Journalist der PNN, Erik Wenk, führte dazu ein Gespräch mit Christian Raschke von „tierra unida“. Anbei der Link zum Online-Artikel.

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Ausschnitt des Artikels in der PNN

 

Ausflug der Kinder des Friedens

Valentina, die Bildungskoordinatorin und Verantwortliche für den Kindergarten in Icononzo, hat uns ein Foto gesendet, auf dem einige Kinder und Mitarbeitende des Kindergartens der Wiedereingliederungszone in Icononzo bei einem Ausflug in der Hauptstadt Bogotá zu sehen sind. Valentina selbst ist in der Mitte des Bildes (5. Person von links in der oberen Reihe) abgebildet.valentina

Gesundheitsprojekt in Salitre mit Fokus auf Prävention

Projekt: Erstellung einer Tabelle (Excel-Blatt) mit Blutdruckdaten, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung sowie einer Kampagne der antiparasitären Behandlung von Schülern der Bildungseinrichtung „Franciscano“ in Salitre.

Im Rahmen des Gesundheitsprojektes von „tierra unida e.V.“ will unser Mitglied Dr. Galo Alvear Vitery in einer Schule eine Krankendatei anlegen und weiterhin seine Gesundheitsprävention durchführen. Neu ist, dass er jede Schülerin und jeden Schüler einer Bildungseinrichtung untersuchen will. Hierbei geht es um die Schule „Unidad Educativa Franciscano“ in der Kleinstadt Salitre.

„Nach dem unglücklichen Tod eines Schülers vor ein paar Tagen in diesem Kanton, der durch Herz-Kreislauf-Atemstillstand bei Sportübungen gestorben ist, gibt es die Notwendigkeit einer individuellen Prüfung von jedem Schüler, um Kenntnis von seinem minimalen Gesundheitszustand zu haben. Hierbei sollen die vitalen Werte gemessen werden“, so Dr. Galo Alvear Vitery.

In dem Projekt soll spezifisches Wissen über die vitalen Werte von jeder Schülerin und jedem Schülergewonnen werden, sowie die Verbesserung der physischen und psychischen Leistungen der Schülerschaft nach der anti-parasitären Behandlung. Allgemein geht es um die Verhinderung von Unfällen, die durch eine Belastung wie niedriger Blutdruck, Herzrhythmusstörungen und Parasiten verursacht werden.

Adressaten sind natürlich die Schülerinnen und Schüler, aber indirekt auch die Angehörigen die weder in Zeit noch in Geld für die anti-parasitäre Behandlung und die Erfassung der lebenswichtigen Daten investieren müssen. Aber auch die Lehrerinnen und Lehrer der Schüler, da sie eine bessere Anleitung über die Leistungsfähigkeit ihrer Schülerinnen und Schüler haben.

Dr. Galo Alvear Vitery, eine Brigadistin des lokalen Ablegers von „tierra unida“ in Saltire sowie zwei freiwillige Schülerinnen/Schüler werden pro Tag eine Klasse aufsuchen. Jede Person erhält Albendazol-Kautabletten als anti-parasitäre Behandlung, es wird ihnen auch der Blutdruck, die Herzfrequenz und die Sauerstoffsättigung gemessen. Mit unserer Unterstützung kauft Dr. Galo Alvear Vitery ein digitales Blutdruckmessgerät, ein Pulsoxymeter und einen Laptop.

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Freiraum und Friedensforum

Bei besagter Veranstaltung der Martin-Niemöller-Stiftung zur 50-jährigen Sprengung der Potsdamer Garnisonkirche und zur vielseitigen Geschichte der Heilig-Kreuz-Gemeinde, war auch „tierra unida“ mit den beiden Mitgliedern Joachim Briesemann und Christian Raschke im vollen Gemeindesaal anwesend. Die Kirchengemeinde hatte nach dem Krieg zuerst in der Ruine ihren provisorischen Gottesdienstraum, bezog danach dann das Heilig-Kreuz-Haus, wo in der Kiezstraße 10 ein vielfältig nutzbares Gemeindezentrum entstand. Die Historie von „tierra unida“ ist damit sowohl in der Kirche und der DDR-Opposition, als auch der Potsdamer Stadtgeschichte allgemein ein wesentlicher Bestandteil.

Die Gemeinde mit ihrem Haus entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum der kirchlichen Opposition in der DDR. Hier trafen sich Initiativen wie der Friedenskreis Potsdam, der Arbeitskreis Ökumenisches Forum und der Verein „tierra unida“. Als Zeitzeuge in Form von Gemeindemitglied und Mitglied bei „tierra unida“ war Joachim Briesemann auf dem Podium, der über seine Erfahrungen berichtete. Christian Raschke ergänzte zur aktuellen Arbeit von „tierra unida“ und klärte über die beiden Projekte in Ecuador und Kolumbien auf.

Laut Journalist und Autor Matthias Grünzig war die Geburtsstunde von „tierra unida“ ein Filmabend mit Filmen über Lateinamerika am 10. Januar 1983 im Heilig-Kreuz-Haus. Es folgten Aktivitäten und Hilfe für Afrika, später dann für Nicaragua, es gab eine Lateinamerika-Werkstatt im September 1984 mit einer Versteigerungsaktion für ein Ausbildungszentrum in Jinotepe (Nicaragua), ein Tortilla-Fest „6 Jahre freies Nikaragua“ am 19. Juli 1985 sowie Proteste gegen das Treffen von IWF und Weltbank im September 1988 in Westberlin und gegen die Niederschlagung der Proteste von Studierenden in Peking im Frühjahr 1989. Über die Klagetrommel als Solidarität mit den Studierenden in China berichteten wir bereits (hier).

Joachim Briesemann (2. Person von rechts) bei der Veranstaltung
Joachim Briesemann (2. Person von rechts) bei der Veranstaltung

Rechtskonservativer Kandidat gewinnt Präsidentschaftswahl in Kolumbien

Mit Iván Duque hat der rechtskonservative Präsidentschaftskandidat die Stichwahl gegen den linksalternativen Kandidaten Gustavo Petro in Kolumbien gewonnen. Trotz des versöhnlichen Tones, den er seiner Rede als designierter Präsident von Kolumbien gab, wiederholte Iván Duque seine Absicht, dass in Havanna ausgehandelte Friedensabkommen zu ändern.

Tierra Unida hat in Kolumbien ein Friedensprojekt, was den Aufbau und die Ausstattung eines Kindergartens in einer Wiedereingliederungszone für ehemalige Kämpferinnen und Kämpfer beinhaltet. Schon jetzt sind die Umsetzungen des Vereinbarten eher schleppend vorangekommen und in vielen Wiedereingliederungszonen fehlt es an sozialer Infrastruktur, ökonomischen Projekten, Sicherheit und politischer Anerkennung.

Mit dem neuen Präsidenten Duque dürfte sich das gesellschaftliche Klima der Polarisierung und auch die Angst der ehemaligen Guerillakämpferinnen und -kämpfer vor einem Rückfall in alte Zeiten erhöhen. Bereits kurz nach seiner Wahl sagte der zukünftige Präsident, dass der Frieden in Kolumbien Korrekturen erfordere.

Duque, der die Partei des ehemaligen Präsidenten Alvaro Uribe (Demokratisches Zentrum) vertritt, sagte, seine Regierung werde die in der kubanischen Hauptstadt vereinbarten Abkommen nicht zerstören. „Aber wir werden Änderungen vornehmen, damit der Frieden erstrahlt“, sagte er. Wie diese Änderungen nun aussehen werden, bleibt aber spannend. Man geht unter anderem davon aus, dass die Sondergerichtsbarkeit für den Frieden, hier zum Beispiel das Amnestiegesetz, verändert werden sollen.

Wir als Tierra Unida hoffen, dass die negativen Auswirkungen nicht allzu groß werden und sich die kolumbianische Zivilgesellschaft und auch die internationale Gemeinschaft auf Seiten der Friedensverteidiger positionieren. Trotzdem darf auch nicht unterschlagen werden, dass über acht Millionen Wählerinnen und Wähler für Petro einen anderen alternativen politischen Weg und das klare Bekenntnis zum Frieden gesucht haben.

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Die Klagetrommel in der Erlöserkirche

Die Geschichte von tierra unida ist lang. Gegründet als Nord-Süd-Arbeitskreis unter dem Dach der Potsdamer Kirche entwickelte sich die Gruppe zu einem der kritischen und oppositionellen Vereine zur staatssozialistischen Politik. Ein wichtiger Punkt in der Geschichte des Vereins ist die solidarische Protestaktion der Klagetrommel im Zuge der chinesischen Studentenproteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Juni 1989. Hier das Kapitel „Wir wollten den Ton nicht abbrechen lassen – Die Klagetrommel in der Erlöserkirche“ von Jeanne Grabner im Buch „Potsdam 1945 – 1989; Zwischen Anpassung und Aufbegehren“ von den Herausgebern Grabner, Röder und Wernicke, welches sie im Jahr 1999 veröffentlichten.

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Als im Juni 1989 die chinesischen Studentenproteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens blutig beendet wurden, ging ein Ruck durch die oppositionellen Gruppen der DDR. China war weit weg, doch Ferne war relativ in dieser Zeit, da uns die Industriegebiete im Donezkbecken vertrauter erschienen als das andere Ufer der Havel. China war ein sozialistischer Staat, immer ein wenig anders als die anderen Bündnispartner, unerreichbar als Reiseland, doch immer gut für die SED-Führung, diesen Staat als Beispiel zu preisen. Besonders, was die „sozialistische Menschenführung“ betraf. Das spiegelte sich in den Kommentaren der Aktuellen Kamera wider: Den Konterrevolutionären wurde das Handwerk gelegt, die Volksdemokratie schützt sich vor ihren Feinden… Menschenrechtsverletzungen gab es im Westen, hier redete man von gerechter Strafe.

Doch nicht das Schicksal der jungen, mutigen Chinesen auf dem Tienanmen-Platz war es, das uns zu allererst beschäftigte, sondern unser eigenes. Erst einige Monate später sollte der Begriff „chinesische Lösung“ geprägt werden; mit ihm warnte man uns vor der Vorbereitung und Durchführung der ersten Demonstrationen. Einige Leute sahen ein Blutbad voraus, und ihre Furcht rührte auch von der offiziell verkündeten Haltung der Staatsführung der DDR zu dem Massaker in China.

Aufgewühlt von den Fernsehbildern und den zynischen Kommentaren trafen sich in Berlin junge Leute, wachten drei Tage und Nächte, schlugen die Klagetrommel nach dem Vorbild fernöstlicher Trauerriten. In Potsdam erfuhren wir davon.

Wir wollten den Ton nicht abbrechen lassen und setzten in Windeseile alle Hebel in Bewegung, um die Klagetrommel auch bei uns aufzustellen und sie zu schlagen, wenn der letzte Ton in Berlin verklungen war. Welche Bedeutung lag in diesen Symbolen! Es scheint, dass sie dem Widerstand auf allen Ebenen ein Gerüst gegeben haben.

Ohne viel Bedenkzeit erklärten sich die Pfarrer der Erlösergemeinde bereit, die Klagetrommel aufzunehmen. Ein Betttuch, damals Mangelware, hängten wir an die Kirche, es trug die Aufschrift: „Wir trauern um die Opfer Chinas“. Wir dachten, das sei klug, weil neutral formuliert. Es waren ja auch chinesische Soldaten verletzt worden.

Deutsche Polizisten hielten dieses Plakat nicht nur keineswegs für unparteiisch, sondern sogar für illegal, da es außen an der Kirche hing. Auf diese Grenzüberschreitung wurden wir mit Nachdruck aufmerksam gemacht. Um weiterhin sichtbar zu bleiben, den Behörden aber neue Einwände unmöglich zu machen, hängten wir das Tuch in die weit geöffneten Kirchentüren, einige Zentimeter hinter den Türbogen. Öffentlichkeit war notwendig, wenn die drei Tage des Trommelns nicht eine private Trauerversammlung werden sollten, sondern ein deutlich sichtbares Zeichen des Protestes. Aus heutiger Sicht erscheint es ungewöhnlich, aber damals funktionierten Informationskanäle auf geheimnisvolle Art; es war, als besäßen die Menschen, deren Kommunikationsdrang durch die Pressezensur gehemmt wurde, eine unsichtbare Antenne für wichtige Nachrichten.

Darauf vertrauten wir in der ersten Nacht, am 28. Juni 1989, als wir nur wenige waren, die die Trommel schlugen. Doch schnell sollte sich dieses Bild ändern. Im Morgengrauen kam eine alte Frau, eine Nachbarin wahrscheinlich, in die Kirche und brachte uns Obst und Kaffee. Sie machte den Anfang, dann strömten drei Tage lang Menschen in die Kirche, junge wie alte, wechselten sich beim Trommeln ab, brachten Blumen und Kerzen, die wir auf die Eingangstreppe stellten, setzten sich in die Kirchenbänke, meditierten, redeten, sahen dem Treiben zu. Oder sie kamen zu den Andachten, die wir jeden Tag gestalteten. Bald war mehr Organisation nötig. Listen wurden ausgelegt, in denen sich die Menschen für einen Platz an der Trommel eintragen konnten. Die Trommelnden wechselten im 15-Minuten-Rhythmus, denn es waren viele, die ihrer Wut, ihrer Angst, ihrem Zweifel, ihrer Hoffnung Ausdruck verleihen wollten. Und wie sie trommelten: drängend, aggressiv und zaghaft, voll ruhiger Überzeugung oder rasendem Zorn. Jeder Ton sprach von seinem Schöpfer.

Aber nicht nur die Bewegten kamen, es kamen auch die Unbewegten. Eines Nachts machten sich das Gerücht und die Angst breit, die auf dem Kirchenvorplatz stationierten Polizisten würden in die Kirche eindringen. Es war schon weit nach Mitternacht, die Kirchenoberhäupter, die wir alarmierten, schreckten wir aus dem Schlaf. So auch den ehemaligen Konsistorialpräsidenten Stolpe, der, herbeigeeilt, die Polizeikräfte geradezu von der Kirche wegdiskutierte.

Auch die unauffälligen Unbewegten kamen. Später lasen wir in einer Akte: „Als der IM kurz nach 19.00 Uhr in die Kirche kam, waren die Anwesenden gerade dabei, ein Bettlaken zu beschriften. Die G. erklärte dem IM, dass man in Potsdam genauso wie in Berlin eine Klagetrommel einrichten will, um der ermordeten Studenten in China zu gedenken. … Der IM betonte, dass die Aktion erst kurzfristig geplant war, denn bei einer Zusammenkunft zwei Tage vorher im Rahmen eines Gemeindefestes der Erlösergemeinde wurde nichts bekannt gegeben. Um zu gewährleisten, dass die Trommel ständig geschlagen wird, sollen alle Potsdamer Basisgruppen informiert werden. Direkt angesprochen wurde die Gruppe ‚Kontakte‘, die G. führte dann aus, dass sie einige Mitglieder der Gruppe schon erwartet habe.

Der IM selbst hat sich für die Zeit von 15.30 Uhr bis 16.00 Uhr zum Trommeln eingetragen …“

Briefe kamen, andere Städte wollten das Trommeln weiterführen. Solidarität von allen Seiten. Die Potsdamer Schriftstellerin Sigrid Grabner schrieb ein Gedicht, das wir stündlich verlasen:

 

Ich trommle

in dieser Nacht der Einsamkeit und Ohnmacht

der Angst, Gleichgültigkeit und Lüge

Ich trommle

den Mut der Studenten auf dem Tienanmen

das Entsetzen der Soldaten

die Schreie der Sterbenden

die Verzweiflung der Fliehenden

die Seufzer der Gedemütigten

das Weinen der Mütter

Ich trommle

den Herzschlag der Ermordeten und Hingerichteten

den Herzschlag der Gefangenen

meinen eigenen Herzschlag

Ich trommle

den Herzschlag der Welt.

 

Drei Tage voller Bewegung waren es, gute Tage, denn wir spürten unsere Kraft. Was kommen würde, wussten wir nicht, dennoch waren wir voller Mut.

Es hätte jede Potsdamer Basisgruppe sein können, die für das Klagetrommeln die Initiative ergriff.

Thematische Abgrenzungen waren weniger wichtig als der Blick aufs Ganze. In diesem Fall war es der Lateinamerika-Arbeitskreis „tierra unida“, der den Protest in Gang brachte, eine Gruppe also, die sich – geographisch gesehen – mit dem anderen Ende der Welt beschäftigte.

Gegründet hat sich „tierra unida“ im Jahr 1983, ein Dach fanden wir in der Erlösergemeinde. Von dort aus agierten wir im innerkirchlichen Schutzraum, versuchten es auch außerhalb, was zu Bruchlandungen, vielen Schwierigkeiten und unvergesslichen Erlebnissen führte. Die Hoffnung auf eine solidarische Weltordnung bewegte uns, und da wir die ganze Welt schwer zu fassen bekamen, blieben wir im Lande, fragten nach der staatlich verordneten Solidarität, nach den Handelsabkommen und Bündnissen, bemühten uns, vom alternativen Weg Nicaraguas zu erfahren und zu berichten. Im Jahr 1989 aber gab es außer der DDR und ihrer Veränderung kaum ein anderes Thema für uns: Demonstrationen, Mahnwachen und gemeinsam mit anderen endlose Gespräche und Pläne über unsere Zukunft.

Zehn Jahre später arbeitet „tierra unida“ immer noch in Potsdam. Das mit der gerechten Weltordnung scheint doch eine längerfristige Aufgabe zu sein. Die Welt aber, und das ist gut, haben wir inzwischen kennengelernt.

Quelle des Artikels und des Fotos: https://www.politische-bildung-brandenburg.de/publikationen/pdf/potsdam.pdf

Der Frieden im ländlichen Gebiet

Wir, als „tierra unida“, wollen auf eine kolumbianische Webseite aufmerksam machen, in der – leider nur auf Spanisch – über die Umsetzung des Friedensabkommens und den Wiedereingliederungsprozess der FARC in Kolumbien informiert wird. Diese Webseite ist eine Partnerschaft von dem aus der Tageszeitung El Espectador entstandenen Portal Colombia2020, aber auch Instituten oder der Friedrich-Ebert-Stiftung. Sie heißt „La paz en el terreno“, was man mit „Der Frieden im ländlichen Gebiet“ übersetzen könnte.

Zu erfahren sind zum Beispiel die Geschichten von 100 sozialen kolumbianischen Anführern, die seit dem Abschluss des Friedensabkommens zwischen Regierung und der FARC ermordet wurden. Auch über die aktuelle Situation zur Umsetzung des Friedensabkommens gibt es Analysen und Berichte. So zum Beispiel die Zustände und Infrastruktur in den Wiedereingliederungszonen der ehemaligen Kämpferinnen und Kämpfer der FARC.

So gibt es eine Evaluation der Anzahl der Bewohnerinnen und Bewohner in den jeweiligen Zonen, da es aufgrund der Schwierigkeiten in der Umsetzung seitens der Regierung, dem Fehlen von notwendigen sozialen Dienstleistungen und Infrastruktur oder geringer Sicherheit teilweise zu einem Aderlass kam und ehemalige Kämpferinnen und Kämpfer ihr Glück bei Familien oder auf eigene Faust in den Städten suchten.

Zur Wiedereingliederungszone in La Fila/ Icononzo gibt es recht positive Verlaufszahlen. Die Bevölkerung der Zone Antonio Nariño, wo wir als „tierra unida“ unser Friedensprojekt mit dem Kindergarten haben, sank zwischen Februar 2017 (320), August 2017 (306) Oktober 2017 (270) und März 2018 um 10%, stabilisierte sich aber mit nun 290 (März 2018) ehemaligen Kämpferinnen und Kämpfern. Die Zahl der Kinder verdreifachte sich fast im selben Zeitraum von anfangs 11 im Februar 2017 zu nun 32 im Frühjahr 2018.

Zum Aufbau und zu den Konstruktionen in der Zone gibt es die Auskunft, dass die Gemeinschaftsräume zu 90 Prozent und die Schlafhäuser, also die kleinen Wohnungen der Bewohnerinne und Bewohner, zu 75 Prozent fertiggestellt worden sind. Es gibt keine asphaltierten Straßen, aber zum Beispiel Elektrizität, Internet und Wasser. Dazu hat Jan Wenzel, unser tierra-Mitglied, ja auch etwas in seinem Besuchsbericht geschrieben.

Zur Webseite: http://www.lapazenelterreno.com/

Information auf der Webseite (Adultos=Erwachsene, Menores=Minderjährige)
Information auf der Webseite (Adultos=Erwachsene, Menores=Minderjährige)

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Besuch beim Friedensprojekt in Kolumbien

Jan Wenzel, von tierra unida, hat unser Friedensprojekt „Kinder des Friedens“ in Icononzo/Kolumbien besucht. Hier sein kurzer Bericht:

130 km südwestlich der kolumbianischen Hauptstadt Bogota, im Departement Tolima, liegt das Dorf La Fila. Auch wenn die Distanz dorthin kurz erscheint, ist der Weg besonders auf den letzten Kilometern beschwerlich. Er führt über schlecht ausgebaute Wege auf ca. 1.500m Höhe auf einen landschaftlich sehr schönen Bergkamm mit Blick auf ein langgestrecktes Tal.

In La Fila wurde 2016 nach dem Friedensschluss zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerilla FARC eine so genannte Wiedereingliederungszone eingerichtet. Häuser und Gemeinschaftsräume wurden gebaut, eine Schule für die Nachholung von Schulabschlüssen, eine Textil-, eine Landwirtschaftskooperative, eine kleine Bibliothek, ein kleiner Laden und ein „Restaurant“, d.h. eine öffentliche Küche, in der Leute von außerhalb essen können, wurden eingerichtet. Mehr als 100 Familien leben dort und mehr als 50 Kinder sind mittlerweile dort geboren worden, es sind die Kinder des Friedens. Die Gründung einer Familie mussten viele Guerilleros und Guerilleras während der Bürgerkriegszeit zurückstellen. Nachdem der sich das Ende der kriegerischen Auseinandersetzung abzeichnete, konnte dieser Wunsch endlich seinen Weg nehmen.

Bereits seit den Friedensverhandlungen besteht Kontakt zwischen dem Potsdamer Lateinamerika-Arbeitskreis tierra unida e.V. und leitenden Personen in der Wiedereingliederungszone. Gemeinsam wurde geplant, dass der Potsdamer Verein die Bemühungen zur Einrichtung eines Kindergartens unterstützt. Ein passendes Gebäude ist bereits errichtet, nun fehlt noch ein kindgerechter Fußboden im Gebäude und Teile der Einrichtung. Ende Mai konnte Jan Wenzel von tierra unida sich ein Bild von der Lage vor Ort machen. Bei einem Besuch in La Fila traf er mit Valentina Beltran zusammen, die vor Ort die Aktivitäten im Bildungs- und Ausbildungsbereich koordiniert. „Vom Staat erhalten wir keine Mittel für den Kindergarten. Sie kommen mit dem Jugendamt zur Abnahme und Genehmigung der Einrichtung, bezahlen müssen wir sie aber selber“, berichtet sie. Und dabei drängt es, den Kindergarten zu eröffnen. „Die Frauen, die in der Textilkooperative in La Fila arbeiten, brauchen die Betreuungszeit für ihre Kinder“. Die Menschen in dem kleinen Ort müssen oft lange auf staatliche Unterstützung warten. Zwar sind bereits viele Gebäude errichtet, es fehlt jedoch häufig an einfachen Dingen. Während des Besuchs war die Wasserversorgung seit drei Tagen ausgefallen, weil eine Pumpe kaputt gegangen war, die Wasser aus einem nahegelegenen Flüsschen in große Tanks pumpen sollte. Auch die Lehrer*innen der Schule in der die ehemaligen Kämpfer*innen ihre Schulabschlüsse nachholen, werden nicht etwa vom kolumbianischen Staat bezahlt, sondern mit Geldern aus Norwegen. Die Vereinten Nationen haben im nächstgrößeren Ort eine Beobachtermission eingerichtet. Mittel für die Finanzierung von Projekten haben sie aber keine, „darum sind die Finanzen, die von internationalen Partnern, wie von tierra unida kommen so wichtig“, auch wenn es für deutsche Verhältnisse kleine Summen sind. 1.500 € hat der Verein in den letzten Monaten gesammelt. Daran haben sich Einzelspender*innen aber auch der Eine Welt Laden Solidario aus Babelsberg beteiligt. Auch über einen Spendenmarathon ist Geld zusammen gekommen. Damit kann nun die Inneneinrichtung der Kita unterstützt werden. Gerätschaften für die Küche, Spielgeräte und insbesondere Kinderbetten fehlen noch, damit die kleinen Kinder ihren Mittagschlaf halten können. Valentina Beltran ist zuversichtlich, dass sie in den nächsten Tagen die Abnahme durch das Jugendamt erhalten. Zwei ausgebildete Erzieher*innen aus einem Nachbardorf werden in der neuen Kindereinrichtung tätig werden. Unterstützt werden sie von jungen Müttern, die dadurch auch fort- und ausgebildet werden sollen. In La Fila und in Potsdam wird nun erwartet, dass bald die Eröffnung gefeiert werden kann.

Der Lateinamerika-Arbeitskreis tierra unida sammelt weiterhin Spenden für Projekte in La Fila in Kolumbien.

Lateinamerika Arbeitskreis tierra unida Potsdam e.V.

Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam

IBAN: DE47 1605 0000 3502 2356 34

BIC: WELADED1PMB

Blick auf die Wiedereingliederungszone im Dorf La Fila/Icononzo
Blick auf die Wiedereingliederungszone im Dorf La Fila/Icononzo

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Der Kindergarten
Der Kindergarten im Vordergrund

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